Bildungspolitik

Die Belastung der Lehrpersonen durch Berichte, Evaluationen und dergleichen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Schüler werden immer häufiger therapiert statt unterrichtet. Die FDP steht dafür ein, den steigenden Anforderungen der Arbeitswelt wieder mehr Rechnung zu tragen und Leistung zu fördern.

  • Die Lehrpersonen in ihrer Kernaufgabe stärken
    Lehrerinnen und Lehrer haben eine zentrale Funktion in unserer Gesellschaft. Sie lehren unsere Kinder und stehen täglich mit ihnen in Kontakt. Entsprechend motiviert und befähigt müssen sie sein. Statt mit Bürokratie belastet zu werden, sollen sich die Lehrpersonen auf die Vermittlung von Wissen und den Erhalt und Ausbau von Kompetenzen konzentrieren können. Sämtliche Formulare und Berichte sind daher auf Notwendigkeit und Vereinfachungsmöglichkeiten zu überprüfen. Der Rücken der Lehrpersonen soll gegen zunehmende Autoritätsprobleme an Schulen konsequent gestärkt werden. 
  • Schülerleistungen müssen messbar bleiben
    Schulnoten werden zunehmend durch Lernberichte und sonstige Beurteilungen ergänzt, welche für die Lehrpersonen mit grossem Aufwand verbunden sind. Diese können für ein fünfjähriges Kind bis zu sechs Seiten lang sein. Für die FDP ist klar, dass die Schülerin und der Schüler als Individuum im Vordergrund stehen. Dennoch sind deren Leistungen früher oder später nach objektiven Kriterien zu beurteilen. Der Sinn der aufwändigen Lernberichte ist daher kritisch zu hinterfragen. Die Ressourcen der Lehrer sind primär für die Schülerinnen und Schüler und nicht für lange Berichte einzusetzen.
  • Frühzeitige Selektion bei hoher Durchlässigkeit
    Oft zeichnet sich schon früh ab, welche Schullaufbahn ein Kind einschlagen wird. Um es entsprechend zu fördern, ist es daher frühzeitig leistungsgerecht zu schulen. Zugleich ist eine hohe Durchlässigkeit wichtig, damit auch Spätzünder die Möglichkeit zu einer höheren Schulbildung haben und ihnen dieser Weg nicht zu früh versperrt wird. 
  • Kritische Überprüfung der Sonderpädagogik
    Die flächendeckende Einführung von Sonderpädagogik hat zu diversen Problemen geführt. So haben die Schülerinnen und Schüler heute zu viele Bezugspersonen an der Schule, was einerseits für die Schüler schwierig ist, andererseits aber auch einen hohen Koordinationsaufwand mit sich bringt. Die Sonderpädagogik ist daher im Rahmen der Gesamtevaluation 2012-2022 einer kritischen Überprüfung zu unterziehen und wo nötig sind Anpassungen vorzunehmen. Die Anzahl Lehrpersonen pro Klasse in der Primarschule muss hinterfragt werden. Die Eltern sind zudem bei sonderpädagogischen Massnahmen konsequent mit einzubeziehen und ihnen und dem Klassenlehrer der Grund und die Zielsetzung einer solchen Massnahme zu kommunizieren.
  • Nach Jahren des Umbaus braucht es eine Konsolidierung der Schulreformen
    In den letzten Jahren wurden an den baselstädtischen Schulen grosse Reformen umgesetzt, welche nicht zuletzt für die Lehrpersonen grosse Belastungen mit sich gebracht haben. Daher ist es nun an der Zeit, diese Reformen wirken zu lassen. Kritik und Verbesserungsvorschläge von Lehrerschaft, Schülern und Eltern sind aufzunehmen und zu prüfen. Kleinere Verbesserungen sollen selbstverständlich auch weiterhin möglich sein. Von grösseren Veränderungen und mehr Bürokratie im Schulzimmer ist jedoch abzusehen, damit die Lehrpersonen sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können.
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
    Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die FDP von zentraler Bedeutung. Es braucht Tagesstrukturen wie Mittagstische, betreute Ferienangebote für Kinder berufstätiger Eltern und koordinierte Stundenpläne, z.B. mit schulübergreifenden Blockzeiten. Diese Strukturen sind jedoch nicht flächendeckend, sondern bedarfsgerecht und nachfrageorientiert einzurichten. Sie sollen vorwiegend erwerbstätigen Familien zur Verfügung stehen.
  • Einführung von Betreuungsgutscheinen
    Es gibt keinen zwingenden Grund, weshalb Betreuungsangebote staatlich geschaffen oder kontrolliert werden müssen. Die FDP fordert daher die Einführung von Betreuungsgutscheinen nach Luzerner Modell. Im Kanton Luzern sind hierdurch Kostensenkungen erreicht und das Angebot zugleich ausgebaut worden. Mit solchen Gutscheinen hätten die Eltern selber die Wahl, welches Betreuungsangebot sie für ihr Kind nutzen wollen. Der dadurch entstehende Wettbewerb würde auch zu einer Steigerung der Qualität der Betreuungsangebote führen.
  • Obligatorische politische Bildung auf allen Schulstufen
    Die Kenntnis der demokratischen Prozesse ist in unserem Land unabdingbar. Leider hängt es auch heute noch zu oft vom Willen der Lehrperson ab, ob ein Schüler während der obligatorischen Schulzeit politische Bildung geniesst. Die Jungfreisinnigen Basel-Stadt haben daher eine Volksinitiative für obligatorische politische Bildung auf allen Schulstufen lanciert.
  • Für starke Hochschulen in unserer Region
    Die Universität Basel und die Fachhochschule Nordwestschweiz sind für unseren Standort von immenser Bedeutung mit einer hohen Wertschöpfung. Die in den kommenden Jahren anstehenden Diskussionen über deren Finanzierung darf nicht zu einer Schwächung dieser Institutionen führen.
  • Abstimmung der Fächer mit anderen Universitäts-Standorten prüfen
    Um die Finanzen der Universität zu entlasten, ist zu prüfen, ob das Fächerangebot mit anderen Universitätsstandorten abgestimmt werden kann. Es ist nicht zwingend notwendig, dass jede Universität sämtliche Fächer anbietet. Durch Kooperationen können Angebote an einzelnen Standorten konzentriert und so Mittel freigemacht werden.
  • Berufsbildung als wichtiger Erfolgsfaktor
    Nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Berufsbildung ist für Basel von immenser Bedeutung. Das duale Bildungssystem soll hierbei weiterhin eine tragende Rolle spielen. Die Lehrbetriebe leisten enorm viel im Bereich der Ausbildung und Integration. Leider geht die Schere zwischen dem Lehrstellenangebot und Jugendlichen, die eine Lehre absolvieren wollen, immer weiter auf. Lehrstellen können mangels Lehrlingen nicht besetzt werden. Zu viele Schülerinnen und Schüler besuchen die Mittelschulen, welche sie dann abbrechen oder danach kein Studium ergreifen. Daher ist ein Augenmerk darauf zu richten, wie Schülerinnen und Schüler vermehrt für eine Lehre begeistert werden können. Indem ihnen und der Gesellschaft die Chancen und Möglichkeiten dieses Bildungsweges erläutert werden, soll die Schere wieder geschlossen werden.