Ein Hoch auf die Demokratie!

Es ist mir eine Freude, am heutigen internationalen Tag der Demokratie einen kurzen Beitrag zu schreiben. Der Tag könnte nicht besser gelegen kommen. Wie Sie vielleicht bereits aus den Medien oder aus Ihrem Umfeld gehört haben, durften die Jungfreisinnigen Basel-Stadt am Freitag, dem 13. September 2019, einen bisher unvergleichlichen Erfolg feiern. Der Erziehungsrat beschloss am Montag, dass «Politische Bildung» in der Stundentafel Sekundarschule mit der Fussnote «integriert in das Fach Deutsch und den Fachbereich Räume, Zeiten, Gesellschaften» vermerkt und im 10. und 11. Schuljahr mit jeweils einer halben Wochenlektion ausgewiesen wird.

Von Titus Hell, Präsident der Jungfreisinnigen

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Wir haben im Januar 2016 unsere Initiative ‚zur Stärkung der politischen Bildung‘ (JA zu einem Fach Politik) lanciert. Wir forderten deshalb ein obligatorisches Schulfach ‚Politik‘, das jede/r SuS in der obligatorischen Schulzeit während mindestens einem Jahr, eine Lektion pro Woche, besucht.

Dies aus dem Grund, dass die politische Bildung aus unserer Sicht im Lehrplan 21 zu kurz gekommen ist. Wir haben dem Erziehungsdepartement mittels Briefe, Aktionen etc. versucht aufzuzeigen, wie wichtig die politische Bildung ist und dass die damals im LP21 vorgesehene Regelung aus unserer Sicht ungenügend ist.

Zusammengefasst sah die vorgesehene Regelung im LP21 wie folgt aus:

  • In der Sekundarstufe ist das neue Sammelfach „Natur, Mensch, Gesellschaft“ in vier Unterfächer unterteilt.
  • Eines davon trägt den Namen „Räume, Zeiten, Gesellschaften (mit Geographie und Geschichte)“.
    • Dieses besteht wiederum aus 27 grossen und sehr breiten Themen
    • Diese 27 Themen sind nochmals in 100 „kleinere“ Unterthemen unterteilt.
    • Eines dieser „kleineren“ Unterthemen handelt von den aus der Schweizerischen Demokratie resultierenden politische Rechte und Pflichten.

Dies hat leider nichts gebracht, deshalb war die Initiative die einzige Lösung, um dafür zu sorgen, dass die Schüleri/innen in der obligatorischen Schulzeit in den Genuss von politischer Bildung kommen.

Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes und setzt deshalb informierte und partizipationsfreudige Bürgerinnen und Bürger voraus. Von unseren jungen Menschen kann nicht erwartet werden, dass sie auf Anhieb den Aufbau des Staates, die Gewaltenteilung, die Funktionsweise der Bundesversammlung etc., wissen und verstehen. Vielmehr sollte die Obligatorische Schulzeit der Ort sein, an dem man sich an das politische System ‚herantastet‘, die grundlegenden Zusammenhänge anfängt zu verstehen und sich beginnt für das aktuelle politische Geschehen zu interessieren. Wenn dies der Fall ist, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anzahl der Beteiligten an Abstimmungen und Wahlen erhöht.

Erst nach dem Beschluss des Grossen Rates, der zu unseren Gunsten ausgefallen ist, vom 20. März 2019 kam, aus unserer Sicht, beim ED Bewegung in die Sache und es fanden treffen statt. Aus diesen Treffen resultierte dann die nun vorliegende Regelung. Wir sassen alle zusammen mehrmals an den Tisch und haben über einen Kompromiss gesprochen und einen solchen auch gefunden.

Der Erziehungsrat beschloss am Montag, dass «Politische Bildung» in der Stundentafel Sekundarschule mit der Fussnote «integriert in das Fach Deutsch und den Fachbereich Räume, Zeiten, Gesellschaften» vermerkt und im 10. und 11. Schuljahr mit jeweils einer halben Wochenlektion ausgewiesen wird.

Mit dieser Lösung haben wir inhaltlich erhalten, was wir gefordert haben aufgesplittet aus zwei Jahre. Dies ist exakt genau das, was wir in der Initiative gefordert haben exklusive des eigenen Faches. Ich möchte anmerken, dass bestimmendes Element unserer Forderung der verbindliche Zeitfaktor für diesen Themenbereich in der obligatorischen Schulzeit war und wir immer über gesprächsbereit, was die effektive Ausgestaltung anbelangt.

Folglich haben wir, gemessen am Faktor «Inhalt» und «Zeit» erhalten, was wir gefordert haben. Dies war auch der Grund, dass wir die Initiative zurückgezogen haben. Die Änderungen treten ab Sommer 2020 in Kraft.

Doch, warum schreibe ich darüber? Es ist klar, dass wir Jungfreisinnige unheimlich stolz auf dieses tolle Resultat sind, jedoch geht es eigentlich in diesem Beitrag um etwas anderes.

Wir haben in der Schweiz den Vorteil, dass unser Demokratisches System im Vergleich zu anderen Ländern sehr zugänglich ist. Es ist uns möglich, z.B. eine Initiative einzureichen oder an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen. Wir können aktiv mitgestalten und uns einbringen in die Schweiz der Zukunft. Dies sollten wir uns bewusst sein und uns in Erinnerung rufen, dass dies nicht überall so ist.

Deshalb, liebe Leser/innen, tragen wir Sorge zu unserer Schweiz, tragen wir Sorge zu diesem einzigartigen Demokratiesystem und seien wir darum besorgt, dass auch die zukünftigen Generationen von diesem Privileg profitieren können.

Ein Hoch auf die Demokratie!