Im Gespräch mit Erich Bucher (Januar 2026)

Fraktionspräsident und langjähriges Grossratsmitglied Erich Bucher hat am 10. März seinen letzten Tag im Grossen Rat. Zum Abschied hat er sich unseren Fragen gestellt und blickt auf seine prägende Amtszeit zurück. Was ihn politisch besonders bewegt hat und wie es für ihn nach dem Rücktritt weitergeht, erfahren Sie im Interview.

1. Rückblickend – was hat Ihre Zeit im Grossen Rat für Sie besonders wertvoll gemacht?
Für jemanden wie mich, der in Basel zugezogen ist und keinerlei Beziehungsnetz hatte, öffnete sich für mich ein ganz neues wertvolles und interessantes Beziehungsnetz. Das Mandat hat mir auch Türen in der eidgenössischen Politik geöffnet – was für unser Unternehmen sehr wichtig ist.


2. Gibt es Entscheidungen oder Projekte, auf die Sie besonders stolz sind?
Als Mitglied in der Geschäftsprüfungskommission hat man nicht die Möglichkeit viele Projekte anzustossen oder zu bearbeiten. Trotzdem kann ich einige Erfolge vorweisen. Durch mein Insistieren publiziert der Kanton seit einigen Jahren im Jahresbericht der Regierung das Projektportfolio. Alle Bürger können nun die Projektfortschritte verfolgen. In der GPK hatte ich zudem immer einen Fokus auf die Führungsinstrumente wie eben das Projektportfolio aber auch das Riskmanagement, die Compliance. Deshalb sitzen heute Grossräte nicht mehr in den Verwaltungsräten der ausgelagerten Betriebe.

 

3. Welche Herausforderungen haben Sie in all den Jahren am meisten gefordert?
Das war eindeutig die Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) Biozentrum. Ein richtiger Kraftakt – neben den wöchentlichen vier Stunden Sitzung der GPK kamen nochmals vier Stunden PUK dazu. Während der PUK hatte ich einen 40%-Job fürs Parlament. So habe ich zum Beispiel eine Informatik-Applikation für die PUK programmiert und die Daten auch selbst erfasst und ausgewertet. Die Datenbank umfasste mehr als 5000 Protokoll-Auszüge, Zitate, Dokumente der Verwaltung etc. Leider muss ich im Nachgang feststellen, dass der Bericht der PUK keine – oder nur sehr geringe – Konsequenzen hatte. Frustrierend ist vor allem, dass mehrere aus meiner Sicht Hauptverantwortlichen gut bezahlte Jobs bei der Uni Basel erhalten haben. Honni soit qui mal y pense.

 

4. Wie hat sich die Politik im Kanton Basel-Stadt während Ihrer Amtszeit verändert?
In den mehr als 12 Jahren im Parlament stelle ich fest, dass sich die «Bubbles» verhärtet haben. Der Austausch zwischen den politischen Gruppierungen ist bedeutend schwieriger geworden.  

 

5. Welche Lektionen oder Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrer Zeit im Grossen Rat mit?
Ironisch: Mit der PUK-Biozentrum bin ich zum «Baufachmann» geworden. Spass beiseite: Ich habe Teile des Staatswesens kennengelernt, die mir völlig fremd waren, da ich mich nie damit beschäftigt hatte. Eine Lektion ist aber, dass es für eine Position in politischen Gremien wie Regierungsrat und/oder Grossrat keinerlei Qualifikationen braucht. Etwas das in der Privatwirtschaft kaum vorstellbar ist.

 

6. Gibt es etwas, das Sie der nächsten Generation von Grossräten besonders mitgeben möchten?
Offenbleiben und immer den Kontakt mit Vertretern der anderen «Blasen» suchen. Der Austausch ist bereichernd.

 

7. Welche persönlichen Pläne oder Wünsche haben Sie nun nach Ihrem Rücktritt?
Mit meinen fast 75 Jahren gehe ich zum ersten Mal wirklich in Pension. Nach 60 Jahren Berufstätigkeit erlaube ich mir erst einmal eine Pause. Ich bin mir sicher, diese dauert nicht lange. Offen bin ich für Aufgaben, bei denen ich meine Berufs- und Parlaments-Erfahrung einbringen kann. Mal sehen, wie sich dies entwickelt.