1. Was hat Sie damals dazu bewegt, für das Parteipräsidium zu kandidieren?
Ich war damals bereits seit einem Jahr im Vorstand und habe die Diskussionen Woche für Woche sehr nah miterlebt – von den grossen Linien bis zu den ganz konkreten Themen, die uns hier im Kanton Basel beschäftigen. Irgendwann war für mich klar: Wenn ich mich einbringe, dann richtig. Nicht halbherzig, sondern mit Verantwortung für die Führung und mit vollem Einsatz.
Dazu kam auch ein persönlicher Punkt: Ich wollte nicht bequem „mitlaufen“, sondern den Schritt aus der Vorstands-Komfortzone wagen. Für mich gab es zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt nur zwei Varianten: Vollgas oder aufhören. Rückblickend war das vielleicht auch ein bisschen naiv – denn die politische Sichtbarkeit kam schneller und intensiver, als ich erwartet hatte. Plötzlich wird jedes Wort gewichtet, und man merkt, wie sehr Politik auch das private Leben beeinflusst.
2. Mit welchen Erwartungen und Zielen sind Sie ins Amt gestartet?
Mit viel Elan, aber auch mit Respekt. Mir war wichtig, dass wir als FDP im Kanton Basel klar, verlässlich und ansprechbar bleiben – gerade dann, wenn es schwierig wird. Ich wollte mit unseren Mitgliedern nicht nur Positionen vertreten, sondern gemeinsam arbeiten: zuhören, diskutieren, Lösungen entwickeln und diese auch nach aussen tragen.
Ein weiteres Ziel war mir die interne Kultur: Wir sind politisch dann stark, wenn wir intern fair, direkt und solidarisch miteinander umgehen – auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Liberal heisst für mich nicht „alle müssen gleich denken“, sondern dass man Unterschiede aushält und am Ende trotzdem zusammensteht.
3. Gab es einen Moment, in dem Ihnen klar wurde: Das ist eine grosse Verantwortung?
Die Verantwortung war mir von Anfang an bewusst. Angst hatte ich nie, weil ich wusste: Ich habe ein gutes Team im Rücken. Was mich aber durchaus bewegt hat, war etwas anderes: Wenn Kritik aus den eigenen Reihen sehr persönlich wird, trifft das. Politische Debatten gehören dazu – aber wenn man merkt, dass es manchmal weniger um die Sache als um Stimmungen geht, dann ist das schwierig. Trotzdem: Wenn man Verantwortung übernimmt, muss man das aushalten können. Und man lernt auch, sauber zu trennen zwischen dem Amt und der Person.
4. Was waren die grössten Herausforderungen während Ihrer Amtszeit?
Wir hatten einen deutlichen Umbruch, und es gab viele unzufriedene Mitglieder. Das war nicht angenehm, aber es war auch ein Signal: Da liegt etwas im Argen – und wir müssen hinschauen. Deshalb sind wir früh in eine ehrliche Problemanalyse gegangen und haben versucht, nicht nur zu erklären, sondern umzusetzen: Prozesse verbessern, Kommunikation klären, Verantwortung verteilen, Themen priorisieren.
Parallel dazu lief gefühlt ständig Wahlkampf. Das kennt jede Partei – aber es bindet enorm Ressourcen und Energie, besonders im Milizsystem. Dazu kamen personelle Veränderungen auf der Geschäftsstelle und im Vorstand; das war intensiv und verlangte viel Koordination.
Und dann ist da noch das Persönliche: die Balance zwischen Beruf, Privatleben und Politik. Ich habe schnell gemerkt, dass Politik selten „Feierabend“ kennt. Eine richtige Verschnaufpause gibt es im Jahr vielleicht vier Wochen im Sommer – und sonst läuft es gefühlt 24/7, mit Terminen, Dossiers, Medienanfragen, Mails und Sitzungen.
5. Welche politischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen haben Ihre Präsidentschaft besonders geprägt?
Ich habe mitten in der Pandemie übernommen. Das hat vieles erschwert: Parteitage organisieren, Vorstandssitzungen durchführen, Mitglieder einbinden – und gleichzeitig den Kontakt halten. Online-Formate helfen, aber sie ersetzen das Persönliche nicht. Gerade bei uns in Basel, wo man sich kennt, wo Gespräche nach einer Sitzung oft genauso wichtig sind wie die Sitzung selbst, spürt man: Digital funktioniert – aber es bleibt distanzierter.
Gesellschaftlich nehme ich zudem seit einigen Jahren eine wachsende Verunsicherung wahr. Globale Krisen, wirtschaftliche Sorgen, die internationale Lage – vieles drückt auf die Stimmung. Das führt dazu, dass Menschen sich stärker an den Polen links und rechts orientieren. Die kompromissbereite Diskussion – eigentlich eine Stärke unseres politischen Systems – geht teilweise verloren.
Für liberale Politik in der Mitte ist das anspruchsvoll: Man muss erklären, warum pragmatische Lösungen oft besser sind als laute Schlagworte. Und man muss dranbleiben – gerade auf kantonaler Ebene, wo Politik sehr konkret ist: Wohnraum, Mobilität, Sicherheit, Bildung, Finanzen, aber auch die Frage, wie wir als Region wirtschaftlich stark bleiben, ohne den sozialen Zusammenhalt zu verlieren.
6. Mit welchen Gefühlen übergeben Sie das Amt?
Mit Demut – und auch mit Freude. Vor allem, weil wir ein Team aufgebaut haben, das Verantwortung trägt und motiviert ist. Ich übergebe nicht „ins Offene“, sondern in Strukturen, die stehen. Vieles ist vorbereitet, Aufgaben sind verteilt, und es gibt Menschen, die anpacken. Das ist mir wichtig: Dass es kein Vakuum gibt, sondern Kontinuität. Und dass die FDP im Kanton Basel weiterhin mit klarer Stimme auftritt.
7. Welche Erinnerungen werden Ihnen aus Ihrer Zeit als Parteipräsident besonders bleiben?
Da gibt es viele. Und ich glaube, einiges wird erst richtig präsent, wenn ich nicht mehr im Amt bin. Bis zur GV im April läuft ja noch einiges weiter.
Was mir aber jetzt schon bleibt, sind die Begegnungen: Gespräche mit Mitgliedern, Rückmeldungen, manchmal auch harte Diskussionen – aber auch viel Unterstützung und Motivation. Gerade an Anlässen merkt man, wie vielfältig unsere Partei ist: Menschen aus unterschiedlichen Berufen, unterschiedlichen Generationen, mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Das ist herausfordernd – aber auch eine Stärke, wenn man es zusammenbringt.
8. Worauf freuen Sie sich nach dem Rücktritt am meisten?
Auf mehr Zeit für meine Frau und meine Freunde. Und darauf, einmal einen Parteitag einfach als Gast zu erleben – ohne ständig „im Modus“ zu sein. Und ganz ehrlich: auf Ferien, in denen das Telefon auch mal ruhig bleibt. Keine Interviewanfragen am Wochenende, keine Nachrichten zwischen Tür und Angel. Einfach wieder etwas mehr Normalität.