Die Zahlen sind deutlich: Gemäss der Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) 2024 erreichen in Basel-Stadt nur 73% der Kinder im 4. Schuljahr die Grundkompetenzen im Lesen (Schweiz: 79%) und nur 70% in Mathematik (Schweiz: 76%). Die Unterschiede sind statistisch signifikant. Bereits die ÜGK 2023 zeigte am Ende der obligatorischen Schulzeit einen klaren Rückstand im Lesen (77% gegenüber 82% schweizweit).
Nach Bekanntgabe der Resultate im Mai versprach das Erziehungsdepartement eine vertiefte Analyse und für Juni einen Bericht mit konkreten Vorschlägen. Darauf aufbauend sollten weitere Massnahmen definiert werden. Bis heute ist weder ein Bericht öffentlich noch eine Übersicht der Massnahmen.
«Wer Handlungsbedarf erkennt und Massnahmen ankündigt, muss auch liefern. Jeder Monat ohne Plan ist ein verlorener Monat für die betroffenen Kinder», sagt Emrecan Dündar, Leiter der Arbeitsgruppe Bildung der FDP Basel-Stadt.
Die Folgen spürt die ganze Wirtschaft. Eine Umfrage von economiesuisse, dem Schweizerischen Arbeitgeberverband und dem Schweizerischen Gewerbeverband bei rund 2900 Ausbildungsverantwortlichen zeigt: Viele Betriebe stellen bei ihren Lernenden grosse Lücken fest, vor allem beim Schreiben und in Mathematik. Rund drei Viertel der Unternehmen bieten bereits heute zusätzliche Förderung an, um diese Lücken zu schliessen. Jedes fünfte Unternehmen will künftig weniger Lernende ausbilden, weil der Aufwand steigt.
Auch in Basel zeigt sich das Problem. Die vom Erziehungsdepartement selbst in Auftrag gegebene EHB-Studie zur Berufsbildung weist für Basel-Stadt eine Abschlussquote auf Sekundarstufe II von 87,5% aus, deutlich unter dem Ziel von 95%. Wer die Schule ohne solide Grundlagen verlässt, findet schwerer eine Lehrstelle und schliesst seltener ab. Den Betrieben fehlen später die Fachkräfte.
«Es geht nicht an, dass Basler Schüler mit Defiziten in Lesen, Schreiben und Rechnen in die Lehre starten. Es muss die Aufgabe der Volksschule sein, diese Grundkompetenzen zu vermitteln. Wir erwarten vom Erziehungsdepartement einen öffentlichen Bericht, eine klare Reihenfolge der Massnahmen und einen verbindlichen Zeitplan», ergänzt Svenja Fischer, Mitglied der Arbeitsgruppe Bildung.
Mit ihrer Interpellation, eingereicht von FDP-Grossrat Luca Urgese, will die FDP deshalb vom Regierungsrat wissen:
- ob der angekündigte Bericht vorliegt, welche Massnahmen er enthält und wann er veröffentlicht wird.
- welche Schlussfolgerungen der Regierungsrat aus den ÜGK-Ergebnissen 2023 und 2024 zieht.
- wie sich die Leistungen in Basel-Stadt gemäss den Checks im Bildungsraum Nordwestschweiz entwickeln.
- wie wirksam die bestehenden Fördermassnahmen sind und wie dies gemessen wird.
- welche Massnahmen prioritär umgesetzt werden und wie der Grosse Rat künftig informiert wird.