Im Gespräch mit Tamara Hunziker (Juni 2026)

Tamara Hunziker steht neu an der Spitze der FDP Basel-Stadt. Im Gespräch teilt die Präsidentin ihre Vision für 2030. Sie erzählt, wie sie sich ins Amt eingelebt hat und weshalb sie staatlicher Bevormundung den Kampf ansagt.

Bild: Nina Gygax

Wie hast du dich ins Amt eingelebt?

Der Einstieg war intensiv, aber auch sehr motivierend. Die Rolle bringt viel Verantwortung und viel Erwartungen mit sich. Gleichzeitig habe ich sehr viel Unterstützung aus der Partei erfahren, was den Start erleichtert hat. Die Zusammenarbeit mit den Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern, dem Vorstand und vielen Engagierten im Hintergrund bereitet mir viel Freude.

 

Mehr Verantwortung, aber auch mehr Arbeitsaufwand. Wie unterscheidet sich das Präsidentinnenamt vom Vizepräsidentinnenamt / vom regulären Vorstandsamt?

Die strategische Richtung wird in der Partei durch die verschiedenen Gremien festgelegt. Als Präsidentin liegt mein Fokus darauf, diese Positionen zusammenzuführen, zu schärfen und in eine klare politische Linie zu übersetzen – nach innen wie nach aussen. Das heisst, Themen zu gewichten, unterschiedliche Erwartungen zusammenzubringen und die Partei in entscheidenden Momenten geschlossen zu positionieren. Gleichzeitig bringt die Rolle mehr Austausch mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung mit sich.

Während man im Vorstand oder als Vizepräsidentin häufig spezifische Dossiers betreut, geht es im Präsidium stärker darum, das grosse Ganze im Blick zu behalten – politisch wie organisatorisch. Der zeitliche Mehraufwand hält sich allerdings in Grenzen, da ich bereits zuvor in viele Arbeitsgruppen und Themen eingebunden war. Heute ist die Arbeit stärker gebündelt und koordinierter.

 

Als erste Frau im Präsidentschaftsamt der FDP Basel-Stadt hast du einen historischen Schritt gemacht. Wie geht es dir damit?

Ich sehe mich in erster Linie als Präsidentin mit einem Auftrag – unabhängig vom Geschlecht. Wenn es dazu beiträgt, dass mehr Frauen Lust auf Politik bekommen und sich bei uns einbringen, dann freut mich das.

 

Was ist deine grosse Vision für die FDP in Basel-Stadt bis 2030?
Ich will, dass die FDP wieder eine prägende Kraft ist und in allen Parlamenten wieder vertreten ist. Dafür müssen wir wachsen und mehr Menschen vom Freisinn überzeugen – vor allem Junge. Wir sind die Partei für alle, die es wagen zu träumen, für Ihre Träume arbeiten und nicht am Aufsteigen gehindert werden wollen.

 

Und in was möchtest du in Basel verändern?

Mir ist wichtig, dass wieder das Individuum im Zentrum steht. Heute geht oft vergessen, wer den Wohlstand überhaupt erarbeitet – nämlich alle Menschen, die sich den Wecker stellen, um ihre Träume zu verwirklichen. Ich will zurück zu einer Politik, die Menschen mehr zutraut. Dafür braucht es mehr Eigenverantwortung und weniger Bevormundung. Statt immer neue Ideen zu entwickeln, wie der Staat wächst, müssen wir den Menschen wieder mehr Raum geben, selbst etwas aufzubauen und zu erreichen.

 

Neben Beruf, Politik und Privatleben:  wie verhinderst du, dass das Amt dich komplett auffrisst? Wo holst du dir den Ausgleich?

Meinen Ausgleich hole ich mir zuhause, bei meinem Partner und bei „Giulia“, meinem Hund. Konzerte sind für mich zudem die kurzen Exits aus dem Alltag, da vergesse ich auch die Politik mal für zwei Stunden, maximal drei Stunden (lacht).