Beide Vorstösse sollen dafür sorgen, dass Menschen arbeiten können, wann und wie lange sie wollen, ohne dass unnötige Vorschriften sie daran hindern.
Bauarbeiten im Sommer ab 6 Uhr
Basel gehört zu den heissesten Orten der Schweiz. In Basel-Binningen gab es zwischen 1961 und 1990 im Schnitt 8,8 Hitzetage pro Jahr, in den letzten zehn Jahren waren es 21,4. Dieses Jahr wurden bis Anfang Juli bereits 20 Hitzetage gezählt. Laut Suva passieren an Tagen über 30 Grad rund sieben Prozent mehr Arbeitsunfälle.
Die kantonale Lärmschutzverordnung erlaubt Bauarbeiten trotzdem erst ab 7 Uhr und schreibt über Mittag eine Stunde Pause vor. Das Bundesrecht wäre weniger streng und liesse Arbeit ab 6 Uhr zu. Die Motion von Luca Urgese verlangt, dass von Juni bis August lärmarme Arbeiten schon ab 6 Uhr und auch über Mittag erlaubt sind. Für lärmintensive Arbeiten wie Abbruch oder Spitzen gelten weiterhin 7 bzw. 13 Uhr. Die Bauarbeitenden gewinnen damit eine Stunde am kühlen Morgen, und die Anwohnenden werden kaum zusätzlich gestört. «Auf dem Bau kann man der Hitze nicht ausweichen. Heute muss man mit der Arbeit warten, bis es schon warm ist, und dann in der Mittagshitze weitermachen. Die Stadtreinigung fängt an Hitzetagen um 6 Uhr an. Was für die Bebbisäcke gilt, soll auch auf der Baustelle möglich sein», kommentiert FDP-Grossrat Luca Urgese seinen Vorstoss.
Weiterarbeiten nach der Pensionierung
«Freiwillig länger arbeiten, Wissen weitergeben und Generationen verbinden», darum geht es FDP-Grossrätin Silvia Schweizer mit ihrem Anzug. In vielen Branchen sind erfahrene Fachleute gesucht, etwa in den Life Sciences, im Gesundheitswesen, in den Schulen und im Gewerbe. Gleichzeitig gehen immer mehr erfahrene Berufsleute in Pension, und viele von ihnen würden gerne weiterarbeiten. «Heute lohnt sich das wegen Steuern und Bürokratie aber oft kaum. Das wollen wir ändern. Basel braucht ihr Fachwissen, und die Jungen profitieren von ihrer Erfahrung», sagt Schweizer.
Mit dem Anzug soll der Regierungsrat prüfen, wie freiwilliges Arbeiten nach dem Rentenalter gefördert werden kann. Dazu gehören zum Beispiel steuerliche Entlastungen, flexible Arbeitsmodelle, weniger Bürokratie und bessere Information für Arbeitgebende und Arbeitnehmende.
Breite Unterstützung
Beide Vorstösse wurden auch von Grossrätinnen und Grossräten anderer Parteien unterzeichnet und heute deutlich im Grossen Rat überwiesen. Die FDP Basel-Stadt setzt sich dafür ein, dass Menschen und Betriebe mehr Spielraum erhalten und weniger durch starre Regeln eingeschränkt werden. Für alle, die den Wecker stellen.